Direkt zum Hauptbereich

Thomas Riehm: Examinatorium BGB Allgemeiner Teil, 2015, 236 S., 24,90 € (C.H. Beck)


Die Inhalte des Allgemeinen Teils des BGB sind wohl für jeden Studenten der Start in das juristische Studium. Die Kenntnis dieses Rechtsgebiets wird für das weitere erfolgreiche Studium und selbstverständlich für das Ablegen der Examina zwingend vorausgesetzt. Gleichwohl drohen einige Punkte im Laufe des Studiums wieder in Vergessenheit zu geraten oder sie wurden auf Grund ihres Zusammenhangs mit anderen Rechtsgebieten in den Lehrveranstaltungen im ersten Semester erst gar nicht behandelt. 

Thomas Riehm ist Professor an der Universität Passau für Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Zivilrecht, Zivilverfahrensrecht und Rechtstheorie. 

Kritik 

Das Werk von Riehm versteht sich – schon dem Namen nach – als Examinatorium. Es verzichtet auf grundlegende Ausführungen und setzt voraus, dass der Leser sich bereits im Zivilrecht auskennt und knüpft damit an die typische Situation in der Examensvorbereitung an. Grundlegende Lehrbücher drohen hier mit bereits fest verankertem Wissen zu langweilen, während das Examinatorium mehr das bereits Gelernte wiederholt. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das Buch die Inhalte des Allgemeinen Teils mit denen der restlichen Bücher verknüpft und dem BGB AT so erst zu seinem Anwendungsbereich führt. Riehm behandelt dabei – eher untypisch – auch die AGB-Kontrolle (§§ 305 ff. BGB) und etwa § 241a BGB im Rahmen des Vertragsschlusses. 

Positiv fällt außerdem auf, dass über das gesamte Buch 44 Beispielsfälle eingeschoben sind. Diese sind skizzenartig gelöst, wobei an den relevanten und problematischen Stellen wiederum ausformulierte Sätze eingefügt sind. So schaffen es die Lösungen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ohne dabei außer Acht zu lassen, dass natürlich auch der Examensfall einer vollständigen Lösung – auch unproblematischerer Punkte – zugeführt werden muss. 

Der Stil des Autors ist knapp und präzise. Er leitet auf den ersten 20 Seiten zunächst dogmatisch in die Rechtsgeschäftslehre ein, in dem er ihre Grundlagen darstellt. Danach wird auch hier auf allzu theoretische Ausführungen verzichtet. Dem Leser wird nichtsdestotrotz Verständnis und nicht bloßes Wissen vermittelt. Meinungsstreitigkeiten werden sauber dargestellt, der Autor lässt dabei verhältnismäßig selten seine eigene Meinung einfließen. Dies tut er bewusst, um diese nicht in den Vordergrund zu stellen. Dadurch wird der Leser von den angeführten Argumenten sicher nicht ganz so sehr mitgerissen und überzeugt wie in anderen Werken. Allerdings bleiben die Ausführungen argumentativ verständlich und regen zum eigenen Nachdenken an. Er droht sich außerdem nicht in den eigenen Ausführungen des Autors zu verlieren, sondern kennt – für das Examen sicherlich nicht unwichtig – vielmehr die „Stärke“ einer Meinung und die Position des BGH, sofern eine solche gefestigt vorhanden ist. 

Abschließendes Urteil 

Riehm schafft es auf etwas mehr als 230 Seiten das BGB AT zusammenzufassen. Das Buch eignet sich sicher nicht für Studienanfänger, ist für diese aber auch nicht gedacht. Es stellt vielmehr eine kompakte Wiederholungsmöglichkeit für den fortgeschrittenen Studenten dar. Einzig der Preis bleibt wohl zu bemängeln. Das Werk ist gemessen an der Seitenzahl wohl doch eher der kleineren Kategorie zuzuordnen – ein Preis von 20€ scheint hier angemessener. 

Felix Sperrle




Beliebte Posts aus diesem Blog

Jörg Fritzsche: Fälle zum Schuldrecht II, 5. Auflage 2019, 337 Seiten, 24,90 € (C.H. Beck)

Das vorliegende Werk ist das dritte Fallbuch von Jörg Fritzsche zum Bürgerlichen Recht. Nachdem er in den beiden vorherigen Bänden den Allgemeinen Teil des BGB und die vertraglichen Schuldverhältnisse behandelt hat, konzentriert er sich hier auf Fälle zu den Gesetzlichen Schuldverhältnissen. Das Fallbuch soll die Anwendung des Vorlesungsstoffs in der Fallbearbeitung trainieren Jörg Fritzsche ist ordentlicher Professor an der Universität Regensburg. Dort hat er einen Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht inne. Kritik Fritzsche hat sein Fallbuch folgendermaßen aufgebaut: Auf den ersten Seiten finden sich zunächst Hinweise zur Fallbearbeitung gesetzlicher Schuldverhältnisse, insbesondere Aufbauschemata. Sodann folgen insgesamt 27 Fälle, wobei der Fokus auf dem Delikts- und Bereicherungsrecht liegt. Zur Geschäftsführung ohne Auftrag finden sich lediglich zwei Fälle. Vor jeder Falllösung ist eine kurze Gliederung mit Problemschwerpunkten vorangeste...

Christian Jäger: Examensrepetitorium Strafrecht Besonderer Teil, 7. Auflage 2017, 496 Seiten, 25, 99 € (C.F. Müller)

Der Besondere Teil des Strafrechts wird von vielen Studierenden ob seiner Lernintensivität gefürchtet. Ihn zu beherrschen, ist für alle Übungsarbeiten und insbesondere für ein erfolgreiches Examen elementar. Neben Detailwissen und Streitständen wird von vielen Studierenden immer wieder die besonders prüfungsrelevante Verzahnung mit dem Allgemeinen Teil des Strafrechts unterschätzt. Dem Strafrecht BT widmet Christian Jäger nun in 7. Auflage ein Examens-Repetitorium. Prof. Dr. Christian Jäger ist Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Medizinstrafrecht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Kritik Jäger behandelt den kompletten Besonderen Teil in einem Lehrbuch. Er stellt zunächst Straftaten gegen die Person und Straftaten gegen das Vermögen dar. Im Anschluss geht er auf „weitere examensrelevante Deliktsgruppen“ ein. Dieser Aufbau überzeugt. Denn er Jäger legt damit den Schwerpunkt – examenstypisch – auf die beiden erstg...

Dieter Medicus/Jens Petersen: Bürgerliches Recht, 26. Auflage 2017, 511 Seiten, 24,90 € (Vahlen)

Das von Dieter Medicus begründete und nun von Jens Petersen fortgeführte Werk "Bürgerliches Recht" ist das wohl bekannteste Standardwerk zur zivilrechtlichen Examensvorbereitung. Das Werk will das examensrelevante Zivilrecht wiederholen und vertiefen. Und zwar ohne Rücksicht auf die Einteilung des BGB in seine fünf Bücher. Vielmehr orientiert sich der Aufbau an den zivilrechtlichen Anspruchsgrundlagen. Innerhalb der einzelnen Anspruchsgrundlagen sind dann Querverbindungen und Vergleiche zu anderen Rechtsgebieten eingearbeitet. Dieter Medicus war Professor für Römisches, Antikes und Bürgerliches Recht in München. Jens Petersen lehrt Bürgerliches Recht, Deutsches und Internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Potsdam. Kritik Die Darstellung beginnt mit Ansprüchen aus Vertrag und arbeitet sich über die Geschäftsführung ohne Auftrag, dinglichen und deliktischen Ansprüchen bis zum Bereicherungsrecht vor. Das Werk schließt mit Abschnitten zu Einwendungen und v...