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Kristian Kühl: Strafrecht Allgemeiner Teil, 958 Seiten, 8. Auflage 2017, 42, 90 € (C.H. Beck)

Das Lern- und Arbeitsbuch von Kristian Kühl gehört seit Mitte der 90er-Jahre zum Kanon der Ausbildungsliteratur zum Allgemeinen Teil des Strafrechts. Das vorliegende Werk steht mit seinen fast 1000 Seiten zwischen den Kurzlehrbüchern und den Großen Lehrbüchern. Kühl will dem Prüfling beim fallorientierten und klausurbezogenen Lernen tatkräftig unter die Arme greifen.

Kristian Kühl ist Professor an der Universität Tübingen.

Kritik

Die relevante Zielgruppe des Werks beschreibt der Autor treffend im Vorwort:

"Das Buch eignet sich [...] besonders für den Lerntyp, der 20 Seiten lesen muss, um 2 Seiten Inhalt zu internalisieren (zu diesem Lerntyp gehört der Autor selbst)."

Trotz dieser weiten Umschreibung der relevanten Zielgruppe erscheint das Buch für den Anfänger eher ungeeignet. Nicht, weil Kühl unverständlich schreibt (er tut genau das Gegenteil), sondern weil der schiere Seitenumfang auf den ersten Blick einfach erschlagend wirkt. Zudem dürfte das Werk für die Anfängerübung zu detailreich sein. Deshalb wird man die relevante studentische Zielgruppe wohl auf Fortgeschrittene und Examenskandidaten einschränken müssen. Ausnahmen vorbehalten.

Es empfiehlt sich für die Nutzung des Lernbuchs daher meines Erachtens folgende Herangehensweise:

Zunächst sollte man sich den Allgemeinen Teil mithilfe eines Kurzlehrbuches aneignen. Dafür gibt es genügend gute Bücher, sei es beispielsweise von Rengier, Wessels/Beulke oder R. Schmidt. Klasse, aber zugegebenermaßen etwas eigen ist Frister. Hinzu kommt kommt eine entsprechende Anwendung des Gelernten anhand von Grundlagenfällen.

Hat man die Anfängerübungen gemeistert, geht es anschließend an die Vorbereitung für die Fortgeschrittenenübungen sowie für das 1. Examen. Und in dieser Phase bewährt sich der Rückgriff auf den "Kühl" als Nachschlagewerk. Dieser bietet sich insbesondere bei Durcharbeit der Reihe "Prüfe dein Wissen" zum Allgemeinen Teil als begleitendes Lern- und Arbeitsbuch an. Beide Bücher sind nämlich durch ständige gegenseitige Verweise optimal aufeinander abgestimmt und erlauben eine parallele Arbeit. Die Fälle und Probleme in dem PdW-Band können durch punktuelles Nachschlagen im umfassenden Werk von Kühl exzellent vertieft werden. Das gilt im Übrigen für alle Fälle auf Fortgeschrittenen- und Examensniveau, auf die der Autor selbst, jeweils sortiert nach Problemkreisen, verweist.

Die negative Kritik beschränkt sich auf optische Gesichtspunkte. Die Darstellung wirkt wegen der kleinen Schriftgröße und teils langen Absätzen manchmal gedrungen und unübersichtlich. Kühl verzichtet zudem auf Übersichten, weshalb visuelle Lerntypen wohl eher zu anderen Lehrbüchern greifen sollten. Zusätzlich stören Nachweise im Fließtext anstatt in den Fußnoten den Lesefluss des Öfteren. Diese Hindernisse können (und sollten) durch eine entsprechende optische Überarbeitung in Zukunft beseitigt werden.

Abschließendes Urteil

Kühl stellt den Allgemeinen Teil des deutschen Strafrechts verständlich, ausführlich und sorgfältig dar.  Daher eignet sich das Werk insbesondere für Leser, die tiefer in Detail gehen möchten und auf Verständnis statt auf bloßes Auswendiglernen setzen.

David van Koppen


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